God of War: Ghost of Sparta – Die Söhne Spartas

God of War: Ghost of Sparta ist einer der am meisten unterschätzten Teile der legendären Action-Adventure-Reihe von Sony Santa Monica. Das 2010 exklusiv für die PlayStation Portable erschienene Spiel erzählt die tragische Geschichte von Kratos und seinem Bruder Deimos – zwei Söhnen Spartas, deren Schicksal von den Göttern des Olymp bestimmt wurde. Obwohl der offizielle Titel „Ghost of Sparta“ lautet, trifft die Bezeichnung „Söhne Spartas“ den Kern der Erzählung so genau, dass sie sich als alternativer Untertitel geradezu aufdrängt. Dieses Spiel ist nicht nur ein technisches Meisterwerk für die damalige Handheld-Hardware, sondern auch eine der emotionalsten Episoden der gesamten Serie.

God of War Ghost of Sparta – Die Söhne Spartas
God of War Ghost of Sparta – Die Söhne Spartas

Zeitliche Einordnung und Entwicklung

Ghost of Sparta spielt chronologisch zwischen dem ersten God of War (2005) und God of War II (2007). Kratos hat gerade den Titel des Gottes des Krieges von Ares übernommen und sitzt auf dem Olymp-Thron, doch innere Dämonen und Visionen aus seiner Vergangenheit lassen ihm keine Ruhe. Das Spiel schließt eine der größten erzählerischen Lücken der Original-Trilogie: die Geschichte von Kratos’ Familie und insbesondere von seinem verlorenen Bruder Deimos.

Entwickelt wurde das Spiel erneut von Ready at Dawn, dem Studio, das bereits das hervorragende Chains of Olympus (2008) für die PSP abgeliefert hatte. Nach dem Erfolg des Vorgängers bekam das Team mehr Zeit und ein größeres Budget – und das merkt man. Ghost of Sparta gilt bis heute als eines der technisch beeindruckendsten PSP-Spiele überhaupt. Die Engine wurde weiter optimiert, die Zwischensequenzen sind filmreif und die Spielwelt wirkt deutlich größer und abwechslungsreicher als im Vorgänger.

Die Handlung: Eine Geschichte von Brüdern und Verrat

Spoiler-warnungsfreier Teil Kratos wird von Visionen seiner Vergangenheit geplagt. Er macht sich auf die Suche nach Antworten über seine Herkunft und seine Familie. Der Weg führt ihn zurück nach Sparta, in den Tempel von Ares, in die Tiefen von Atlantis und schließlich in das Reich des Todes selbst. Auf dieser Reise trifft er auf alte Bekannte wie die Königin der Unterwelt, Erinys, und den Totengott Thanatos – und er begegnet einer Person, die sein gesamtes Leben auf den Kopf stellt.

Ab hier Spoiler für das gesamte Spiel Die zentrale Enthüllung: Kratos hatte einen jüngeren Bruder namens Deimos. Beide wurden in Sparta geboren, beide trugen das Zeichen eines prophezeiten Kriegers, der den Olymp stürzen sollte. Deimos hatte eine rote Geburtsmarke, weshalb Ares und Athena ihn als Kind entführten, um die Prophezeiung zu verhindern. Kratos versuchte damals verzweifelt, seinen Bruder zu retten – und trug seitdem die Asche seiner Familie als bleibende Erinnerung und Strafe auf der Haut.

Jahre später erfährt Kratos von seiner sterbenden Mutter Callisto, dass Deimos noch lebt und im Reich des Todes gefangen gehalten wird. Was folgt, ist eine der emotionalsten Reisen der gesamten Serie: Kratos kämpft sich durch die Domäne des Thanatos, findet seinen Bruder – nur um festzustellen, dass Deimos ihn hasst. Er macht Kratos verantwortlich dafür, dass er sein ganzes Leben als Gefangener und Spielball der Götter verbringen musste. Der Kampf zwischen den Brüdern gehört zu den intensivsten Momenten der Reihe. Am Ende versöhnen sie sich kurz, kämpfen Seite an Seite gegen Thanatos – doch Deimos stirbt in Kratos’ Armen. Diese Szene, in der Kratos seinen toten Bruder trägt, spiegelt direkt die Pose wider, mit der er einst als Kind versuchte, Deimos zu retten. Ein perfekter, herzzerreißender narrativer Bogen.

Gameplay: Klassische God of War-Formel auf höchstem Niveau

Ghost of Sparta übernimmt das bewährte Hack-and-Slash-Konzept der Serie und verfeinert es. Die Blades of Athena (später wieder Blades of Exile) sind das Haupt-Waffenarsenal, ergänzt durch neue Waffen wie den Speer des Sparta und die Arms of Sparta (Schild und Speer). Das Kampfsystem fühlt sich flüssig und brutal an – Quick-Time-Events, Combos und Magie-Attacken (Feuer des Ares, Blitz des Zeus usw.) sind perfekt umgesetzt.

Besonders hervorzuheben ist das neue „Fire of Ares“-System, das Kratos’ Wut in eine spezielle Spezialattacke umwandelt, sowie die verbesserte Magie „Thera’s Bane“, mit der Kratos seine Klingen in Flammen hüllt und massiven Schaden anrichtet. Rätsel sind abwechslungsreich und fordern oft geschickte Nutzung der neuen Fähigkeiten. Die Boss-Kämpfe gehören zu den besten der gesamten Serie – der Kampf gegen Thanatos in seinen verschiedenen Formen ist episch und technisch anspruchsvoll.

Technik und Präsentation: Ein Wunder auf der PSP

Für ein PSP-Spiel ist Ghost of Sparta technisch atemberaubend. Die Grafik nutzt die Hardware bis ans Limit: detaillierte Charaktermodelle, beeindruckende Umgebungen (die versunkene Stadt Atlantis!) und flüssige Animationen. Die Zwischensequenzen sind auf dem Niveau von PS2-Spielen, teilweise sogar darüber. Der Soundtrack von Gerard Marino und Mike Reagan ist wieder einmal grandios – epische Orchesterklänge, die perfekt zur tragischen Geschichte passen. Die deutsche Lokalisierung ist solide, auch wenn viele Fans das Original mit der markanten Stimme von Terrence C. Carson bevorzugen.

Rezeption und Vermächtnis

Bei Release erhielt Ghost of Sparta durchweg hervorragende Kritiken. Metacritic listet 86/100 (basierend auf 70 Reviews), IGN vergab 9.5/10 und lobte es als „das beste Handheld-Actionspiel aller Zeiten“. Viele Kritiker betonten, dass es sich nicht wie ein reines Spin-off anfühlt, sondern wie ein vollwertiger Hauptteil der Serie.

Das Spiel verkaufte sich gut für PSP-Verhältnisse und trug maßgeblich dazu bei, dass die God of War-Marke auch auf Handhelds ernst genommen wurde. Mit der Veröffentlichung der Origins Collection (2011) für PS3 und später in remasterter Form für PS4 und PS5 (über PlayStation Plus Premium) fand Ghost of Sparta ein größeres Publikum. Viele Fans betrachten es heute als eines der besten Spiele der griechischen Ära der Serie – und als das emotionalste.

Fazit

God of War: Ghost of Sparta ist mehr als nur ein Zwischenspiel. Es ist die tragische Geschichte zweier Brüder – der Söhne Spartas –, die von den Göttern auseinandergerissen wurden. Selten hat ein God of War-Spiel so sehr unter die Haut gegangen wie dieses. Wer die Reihe liebt und die Lücken in Kratos’ Vergangenheit schließen möchte, kommt an Ghost of Sparta nicht vorbei. Auch über 15 Jahre nach Release bleibt es ein Meisterwerk, das zeigt, wozu die PSP wirklich fähig war – und wie tief die God of War-Saga emotional gehen kann.

Falls ihr es noch nicht gespielt habt: Die remasterte Version ist über PlayStation Plus Premium jederzeit zugänglich. Es lohnt sich – versprochen.

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