Ghost of Tsushima: Das Samurai-Epos, das die PS4 zum Leuchten brachte

Von Adeel | 16. Februar 2026

Ghost of Tsushima ist nicht nur eines der letzten großen Exklusivspiele der PlayStation 4 – es ist ein Meilenstein, der zeigt, wozu die fast acht Jahre alte Konsole noch in der Lage war. Sucker Punch Productions, bekannt für die Infamous-Reihe, lieferte im Juli 2020 ein Open-World-Abenteuer ab, das Historie, Ästhetik und Gameplay auf eine Weise vereint, die selbst Jahre später noch beeindruckt. In einer Zeit, in der viele Entwickler bereits auf die Next-Gen umgestiegen waren, bewies Ghost of Tsushima, dass die PS4 noch lange nicht zum alten Eisen gehörte.

Ghost of TsushimaDas Samurai Epos, das die PS4 zum Leuchten brachte
Ghost of Tsushima Das Samurai Epos, das die PS4 zum Leuchten brachte

Historischer Hintergrund und Setting

Die Handlung spielt im Jahr 1274 während der ersten mongolischen Invasion Japans. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Jin Sakai, einem der letzten überlebenden Samurai des Clans Sakai auf der Insel Tsushima. Die Mongolen unter Khotun Khan haben die Insel überrannt, fast alle Samurai sind tot oder gefangen, und Jin muss entscheiden, ob er weiterhin dem strengen Ehrenkodex der Samurai folgt – oder ob er neue, „unehrenhafte“ Wege einschlägt, um sein Volk zu retten.

Das Spiel behandelt den Konflikt zwischen Bushidō (dem traditionellen Samurai-Ehrenkodex) und der pragmatischen Kriegsführung sehr ernst. Jin wird zum „Ghost“ – einem schattenhaften Krieger, der Stealth, Attentate und Angst als Waffen nutzt. Diese Dualität ist das narrative Herzstück des Spiels und wird durchweg glaubwürdig und emotional erzählt.

Tsushima selbst ist dabei mehr als nur eine Kulisse. Die Insel ist wunderschön nachgebildet: rote Ahornwälder, goldene Pampasgrasfelder, weiße Birkenwälder, Shinto-Schreine und zerstörte Dörfer schaffen eine Atmosphäre, die an klassische Samurai-Filme von Akira Kurosawa erinnert – nicht umsonst gibt es den „Kurosawa-Modus“ mit Schwarz-Weiß-Filter, Körnung und japanischer Synchronisation.

Gameplay: Freiheit statt Wegpunkte

Ghost of Tsushima war eines der ersten Open-World-Spiele, das konsequent auf klassische Wegpunkte und überladene Karten verzichtete. Stattdessen navigiert man mit dem Wind: Ein Wisch nach oben auf dem Touchpad lässt den Wind in die Richtung des aktuellen Ziels wehen. Goldene Vögel, Füchse oder auffällige Landschaftselemente führen den Spieler organisch durch die Welt. Diese Design-Entscheidung sorgt dafür, dass Erkundung nie zur lästigen Pflicht wird, sondern zum echten Vergnügen.

Das Kampfsystem ist ein weiteres Highlight. Duelle gegen stärkere Gegner laufen wie choreografierte Schwertkämpfe ab – ein intensiver Blick, ein schneller Draw, dann entscheidet Timing und Präzision. Gegen Gruppen wechselst du zwischen vier verschiedenen Haltungen (Stein, Wasser, Wind, Mond), die jeweils gegen bestimmte Gegnertypen effektiver sind. Das System ist leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern – besonders auf höheren Schwierigkeitsgraden.

Stealth-Fans kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Als Ghost schleichst du durch hohes Gras, nutzt Kunai, Rauchbomben oder Attentate von Dächern aus. Das Spiel zwingt dich nie zu einer Spielweise – du kannst als ehrenhafter Samurai in offene Schlachten ziehen oder als schattenhafter Ghost ganze Lager lautlos auslöschen.

Neben der Hauptstory gibt es zahlreiche Nebenquests: Befreiung mongolischer Gefangenenlager, mythische Geschichten (die oft epische Belohnungen wie neue Rüstungen oder Techniken bringen), Haiku-Momente, Fuchs-Höhlen und Bambus-Streiks zur Steigerung der Entschlossenheit. Die Welt fühlt sich lebendig und voller Geheimnisse an.

Technik und Performance auf der PS4

Für ein Spiel aus dem Jahr 2020 sieht Ghost of Tsushima auf der PS4 verblüffend gut aus. Selbst auf der Basis-PS4 (2013) läuft es in 1080p mit stabilen 30 FPS – und das bei einer riesigen, detailreichen offenen Welt. Die PS4 Pro bietet eine höhere Auflösung (checkerboard 4K) und noch schärfere Texturen.

Besonders beeindruckend ist die Partikel- und Beleuchtungssimulation: Blätter, die im Wind tanzen, Nebel in den Bergen, Sonnenuntergänge, die die Landschaft in goldenes Licht tauchen – das alles wirkt unglaublich natürlich. Der Foto-Modus wurde von Spielern intensiv genutzt und hat zu tausenden atemberaubenden Screenshots geführt.

Ladezeiten sind auf der PS4 akzeptabel (ca. 15–20 Sekunden beim Fast-Travel), und das Spiel ist bemerkenswert stabil – größere Bugs gab es zum Launch kaum.

Soundtrack und deutsche Lokalisierung

Der Soundtrack von Ilan Eshkeri und Shigeru Umebayashi ist ein Meisterwerk. Japanische Instrumente wie Shakuhachi-Flöten und Taiko-Trommeln verschmelzen mit westlichen Orchester-Elementen und verstärken die emotionale Wucht der Geschichte.

Die deutsche Synchronisation ist hervorragend. Jin wird von Torben Liebrecht gesprochen (bekannt als Geralt in The Witcher 3), und auch die Nebencharaktere sind durchweg gut besetzt. Wer das originale japanische Audio bevorzugt, kann jederzeit umschalten – besonders im Kurosawa-Modus ein Genuss.

Rezeption und Vermächtnis

Ghost of Tsushima erhielt überwiegend Bestnoten (Metacritic: 83/100, User Score: 9,1/10) und wurde für zahlreiche Awards nominiert, darunter Game of the Year bei den Game Awards 2020. Es verkaufte sich über 10 Millionen Mal (Stand 2023) und wurde damit zu einem der erfolgreichsten neuen Sony-IPs.

Kritik gab es vereinzelt an der etwas formelhaften Struktur der Open-World-Aktivitäten (Lager befreien, Gebiete erobern), doch die überwältigende Mehrheit lobte die Atmosphäre, das Kampfsystem und die wunderschöne Welt.

Mit dem kostenlosen Multiplayer-Modus „Legends“ (2020) und der Erweiterung Iki Island (2021 im Director’s Cut) bekam das Spiel noch weiteren Inhalt. Auch wenn der Director’s Cut primär für PS5 optimiert war, profitierte die PS4-Version indirekt durch Patches.

Fazit: Ein würdiger Abschied für die PS4

Ghost of Tsushima ist mehr als nur ein Spiel – es ist eine Liebeserklärung an das Samurai-Kino, an die Schönheit Japans und an die Möglichkeiten der PlayStation 4. Wer die Konsole noch besitzt und das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte das unbedingt nachholen. Es ist nicht nur eines der besten Exklusivspiele der PS4-Ära, sondern eines der besten Open-World-Abenteuer überhaupt.

Selbst 2026, in einer Welt voller Next-Gen-Titel und PC-Ports, hat Ghost of Tsushima nichts von seiner Faszination verloren. Es ist ein Spiel, das man nicht nur spielt – man erlebt es.

Wertung: 9,5/10 Ein nahezu perfektes Samurai-Epos, das Technik, Story und Gameplay meisterhaft verbindet.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *